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Was sollte man beachten?

Wichtig für die Auswahl der Obstsorten und der Anzahl der zu pflanzenden Bäume, ist die Beachtung der Standort- und Klimaverhältnisse, der Pflegeaufwand und die spätere Nutzung des Obstes.
 

Welche Obstart soll es sein?

Besonders zur Pflanzung eignen sich Äpfel, da sie das breiteste Nutzungsspektrum vom Frischverzehr über Lagerung und Verarbeitung bieten. Überschüssige, reife Früchte können zur Verarbeitung in die örtlichen Keltereien gebracht werden. Die Keltereien im Kreis Höxter verarbeiten auch kleine Mengen, so dass Sie die Möglichkeit haben, den Saft aus ihren eigenen Äpfeln wieder mitzunehmen. Keltereien in ihrer Nähe

Birnen sind, je nach Sorte und Lagerbedingungen, maximal bis in den Dezember haltbar. Als Frucht wärmerer Klimazonen kann es vorkommen, dass spätreifende Wintersorten in kühlen Sommern nicht genügend ausreifen.

Lagerbirnen müssen hartreif geerntet werden und erreichen dann bis zur Genußreife ihr volles Aroma. Keltereien mögen die Birnen ebenfalls hartreif geerntet, um sie besser verarbeiten zu können. Allerdings sollten Sie darauf achten, dass nicht alle Keltereien Birnen annehmen.

Kirschen, Pflaumen bzw. Zwetschgen (Steinobst) eignen sich zum sofortigen Verzehr und zur häuslichen Verarbeitung. Als Frischobst sind sie nicht lagerfähig. Aus diesem Grunde empfiehlt sich ihr Anbau auf Obstwiesen und im Hausgarten nur in geringer Anzahl. Hinzu kommt, dass nur wenige Keltereien Steinobst zur Fruchtsaftherstellung annehmen.
 

Welche Standorte sind geeignet?

Geeignet sind alle lockeren, gut durchlüfteten, tiefgründigen Böden mit entsprechendem Nährstoffangebot (z.B. sandige Lehm-, lehmige Sandböden). Kirschen vertragen auch noch magere, kalkige Böden, Zwetschen kommen noch in feuchten Böden zurecht. Wer sich genauer über die Nährstoffverhältnisse seines Bodens informieren möchte, kann dies durch eine kostenpflichtige Bodenuntersuchung bei der Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalt (LUFA) tun.

Bei hängigen Lagen sammelt sich die Kaltluft am Hangfuß. Wegen der damit verbundenen Frostgefährdung sollte dieser Bereich nicht mit Obstbäumen bepflanzt werden.

Da sich die Obstbäume auf Streuobstwiesen und Wegpflanzungen mit der Nährstoffkonkurrenz des Grünlandes arrangieren müssen, eignen sich vorrangig starkwüchsige Sorten zur Anpflanzung.

Grundsätzlich ist zu beachten, dass neben sortenabhängigen Anfälligkeiten

  • schwere, kalte und staunasse Böden die Krebsanfälligkeit begünstigen
  • regenreiche Gebiete und geschlossene Lagen die Schorfanfälligkeit fördern,
  • feuchte und warme Lagen die Mehltauanfälligkeit unterstützen.
  • Obstbäume benötigen viel Licht und eine gute Durchlüftung des Bestandes.

Stehende Luft verursacht häufig Pilzinfektionen. Schattige Flächen sind daher wenig geeignet, deshalb ist auch bei Pflanzungen in Waldnähe ein entsprechender Abstand zu berücksichtigen.

Wenn auf bereits vorhandene Obstwiesen Obstbäume nachgepflanzt werden sollen, ist darauf zu achten, dass an Stellen, an denen bisher Kernobst (Apfel, Birne) gestanden hat, Steinobst (Kirsche, Pflaume/Zwetsche) folgt und umgekehrt.
 

Platzbedarf

Der Platzbedarf von hochstämmigen Obstbäumen wird häufig unterschätzt. Wenn die große Krone eines ausgewachsenen Baumes und eine entsprechende Belüftung berücksichtigt wird, so ergeben sich Pflanzabstände von 10 - 12 m und 12 - 15 m Reihenabstand.

Empfehlenswert ist immer in strengen Reihen und einem einheitlichen Raster zu pflanzen. Dies erleichtert die spätere Bewirtschaftung der Fläche und die Beerntung der Bäume.

Beispiel für eine Obstwiese mit 12 Obsthochstämmen, bei der die Ernte im eigenen Haushalt genutzt werden soll:

1-2 Kirschen (bei 2 eine frühe und eine späte Sorte wählen)
1-2 Pflaumen (bei 2 eine frühe und eine späte Sorte wählen)
1-3 Birnen (bei 2 eine frühe und eine späte Sorte wählen)
6-9 Äpfel (versch. Sorten, die von Sep. bis Okt. reifen und
zum Teil bis in den Mai gelagert werden können)


Pollenspender

Damit die Apfel- und Birnenblüten befruchtet werden können, wird immer mind. ein weiterer Baum einer anderen diploiden Sorte benötigt. Bei den Apfelsorten gibt es solche, die sich eignen andere zu befruchten (diploid) und solche, die ungeeignet sind (triploide Sorten). Bei der Auswahl der Sorten sollte daher darauf geachtet werden, dass Befruchtersorten vorhanden sind. Ihr Anteil kann problemlos kleiner sein als der der unfruchtbaren Sorten. Wenn in der Nähe andere Obstbaumbestände sind ist die Befruchtung in der Regel kein Problem.

Unsere Kirschensorten sind selbststeril. Hier taucht allerdings seltener ein Problem auf, da fast überall in der freien Landschaft die wilde Vogelkirsche zu finden ist und sich diese bestens als Pollenspender eignet.

Bei den Pflaumen gibt es Sorten, die sich selbst befruchten und Sorten die dies nicht können. Diese Information ist in der Sortenliste zu finden.


Pflück-Genussreife

Unter der Pflückreife versteht man den Erntezeitpunkt, der sich je nach Witterung, Höhenlage und Exposition der Fläche verschieben kann. Die Frucht löst sich leicht vom Baum.

Winter- und Lagersorten entfalten ihr volles Aroma erst nach einer gewissen Lagerungszeit. Dies versteht man unter der Genussreife. Zur Lagerung eignen sich nur gepflückte, unbeschädigte und gesunde Früchte.
 

Sortenempfehlungen

Hier erhalten Sie detaillierte Informationen über verschiedene Obstsorten (PDF). Der Autor der Sortenliste ist Hans-Joachim Bannier.


Regionale Sorten

Brakeler Apfel
Der Brakeler Apfel ist eine eigenständige, regionale Apfelsorte im Kreis Höxter mit Schwerpunkten in den Stadtgebieten Brakel und Nieheim. Sie ist nicht identisch mit dem 'Weißen Rosmarinapfel', wie dies verschiedentlich in der Obstbauliteratur zu finden ist.

Blüte: früh bis mittelfrüh
Baumreife: Anfang Oktober
Genussreife: Dezember bis Mai
Verwendung: Tafel- und Wirtschaftsapfel
Die mittelgroßen, weißfleischigen Früchte sind im Geschmack saftig, weinsäuerlich und lassen sich bis ins Frühjahr lagern. Der Baum ist starkwüchsig, unempfindlich gegen Schorf und Obstbaumkrebs, in jungen Jahren allerdings etwas anfällig für Blattläuse.

Der 'Brakeler' gehört zu den wenigen Lokalsorten über die in historischen, amtlichen Dokumenten berichtet wird.

Der Beilage zum 35. Stück des Amtsblattes der Königlichen Regierung zu Minden pro 1869 ist folgende Informationen zum Brakeler Apfel zu entnehmen: "Brakel zeichnet sich dort durch eine seit 70 bis 80 Jahren mit sehr gutem Erfolge kultivierte Apfelsorte aus, die unter dem Namen 'Brakeler Apfel' nicht allein in der Umgegend bekannt geworden, sondern sich auch in größerer Entfernung und in den Katalogen der Obstgärtner Geltung verschafft hat. Der Apfel ist von mittlerer Größe, länglich rund, von gelber Grundfarbe mit rotem Anflug, saftig, hat ein weißes Fleisch, einen angenehmen weinsäuerlichen Geschmack, bleibt saftig und hält bis Juni.

Um diesen Apfel hat sich zuerst verdient gemacht der Gutsbesitzer Ludovici zu Brakel, welcher die Obstbaumzucht mit großem Interesse trieb und die Pfropfreiser aus dem Dringenberger Fürstlichen Burggarten (1770-1780) nach Brakel brachte. Nachdem Ludivici eingesehen hat, dass von allen Apfelsorten, die er kannte, gerade diese in mehrfacher Beziehung die beste für dortige Gegend (440 Fuß über der Nordsee) war, kultivierte er solche ausschließlich und sorgsam, dass er Wildlinge aus den Kernen dieses Apfels zog und dann mit den Reisern des Haupt-Stammes veredelte.

In den 1920er Jahren stand der Brakeler Apfel als Lokalsorte auf der Empfehlungsliste für den Landwirtschaftlichen Erwerbsanbau im Bezirk des Landwirtschaftlichen Hauptvereins Paderborn, dem u.a. der Kreis Höxter angehörte. Auch der Obstbauinspektor Lenders, zuständig für den Kreis Paderborn, empfahl 1925 den 'Brakeler' als wertvolle Lokalsorte für den landwirtschaftlichen Obstbau.
 

Lippoldsberger Tiefenblüte
Auch Hessische Tiefenblüte genannt
Synonyme: Jakobs Apfel, Hohlblümchen, Schöner aus Netra
Entstehung: unbekannt
Pflückreife: Mitte Oktober
Genußreife: November bis Januar (März)
Verwendung: fester, saftiger und süßsäuerlicher Wirtschafts- und Tafelapfel

Seit 1930, vermutlich aber schon früher, wurden Bäume dieser Sorte in den damaligen Baumschulen in Lippoldsberg bei Bad Karlshafen/Weser herangezogen und im Raum Oberweser Höxter verbreitet. Die Sorte ist starkwüchsig, beginnt spät mit dem Ertrag und ist nicht als Pollenspender geeignet.

Auf dem Apfeltag in Nieheim-Oeynhausen Mitte Oktober 2003 erreichte die Apfelsorte bei der Verkostung den 1. Platz der Geschmackshitparade.

Die Apfelsorte hat nur einen regionalen Bekanntheitsgrad und wird in der gängigen Obstliteratur nicht erwähnt. Sie ist nicht identisch mit der Westfälischen Tiefblüte. Bezugsmöglichkeit: Baumschule Spiess, Wahlburg-Lippoldsberg.


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