Bäume pflanzen
Pflanzzeit
Während der gesamten Vegetationsruhe kann bei frostfreiem Boden gepflanzt
werden. Die günstigste Pflanzzeit ist jedoch der Herbst nach dem Laubfall. Der
Boden ist noch warm, die Bäume können bereits anwurzeln und dadurch im Frühjahr
erfolgreicher austreiben. Bei einer Frühjahrspflanzung muss bei längeren
Trockenperioden häufiger gewässert werden.
Pflanzplan
Standort, Reihenfolge und Sortenname sollten in einem Pflanzplan
festgehalten werden. Die Sortenkenntnis ist wichtig für Reifezeit und Verwendung
des Obstes.
Bei Pflanzung sollten die ausgewählten Sorten entsprechend ihrer Reifezeit
gepflanzt werden. Dies erleichtert die Ernte.
Transport der Obstbäume
Zur erfolgreichen Pflanzung von Obstbäumen gehört bereits der Transport der
Obstbäume. Hochstämme werden in der Regel "wurzelnackt" geliefert, d.h. sie haben keine
Erdballen oder Töpfe, die die Wurzeln vor dem Austrocknen schützen. Daher dürfen
die Bäume beim Transport oder der Lagerung nicht ungeschützt Sonne oder Wind
ausgesetzt werden. Am besten eignen sich zum Schutz der Wurzeln nasse Jutesäcke
oder alte Stoffdecken. Die Wurzeln sind in jedem Fall feucht zu halten.
Kann nicht sofort gepflanzt werden, sollten die Bäume übergangsweise in Erde
eingeschlagen werden. Auf keinen Fall dürfen sie über mehrere Tage im Wasser
(z.B. Regenfass) stehen. Hier beginnen nach wenigen Tagen die Wurzel zu faulen.
Bodenvorbereitung
Auf geeigneten Standorten und landwirtschaftlich genutzten Böden sind meist
keine aufwendigen Bodenvorbereitungen erforderlich. Hier ist es ausreichend,
wenn das Pflanzloch der Größe der ausgebreiteten Wurzel entspricht.
Die Grassoden sollten jedoch getrennt vom Bodenaushub gelagert werden. Bei
leichten oder schweren Böden kann gut durchgerotteter Kompost oder Humuserde mit
dem Bodenaushub gemischt zur Bodenverbesserung beitragen und die
Startbedingungen des jungen Obstbaumes positiv unterstützten
Keinesfalls darf der Pflanzerde frisches organisches Material (z.B. Grassoden
oder Stallmist) zugesetzt werden. Der sofort einsetzende Rottevorgang würde die
empfindlichen Feinwurzeln schaden, die besonders wichtig für die Versorgung des
Baumes sind. Beim Ausheben der Pflanzgrube sollte darauf geachtet werden,
das eventuell anstehende dichte Schichten des Unterbodens (Tonschicht, Ortstein
, etc.) durchstoßen werden.
Pflanzen des Baumes
Für die erfolgsversprechende Pflanzung werden verschiedene Materialien
benötigt:
2 Stützpfähle: optimal aus Eiche, Fichtenpfähle sollten einen Durchmesser von
min. 10 cm besitzen.
Wühlmausschutz: 1,00 m x 1,20 m großes unverzinktes Stück,
Sechseckgeflecht (Kaninchendraht) mit einer Maschenweite von
13 mm.
Baumbinder: Die Anbindung sollte aus einem dauerhaften Material bestehen, das
kein Wasser aufsaugt. Kokosstrick ist bei Obstpflanzungen in niederschlagreichen
Regionen nicht zu empfehlen. Das Band muss ausreichend breit sein, damit es
nicht einschnürt. Anbindungen müssen regelmäßig kontrolliert werden, damit sie
nicht zu Einschnürungen und Verletzungen am Baum führen.
Wurzelschnitt
Ein Rückschnitt der Wurzeln sollte sich nur auf beschädigte und verletzte
Wurzeln beschränken.
Setzen des Haltepfahles
Der Abstand des Haltepfahles zum Baum sollte ca. 20 cm betragen, um das
zukünftige "Dickenwachstum" nicht zu behindern. Wird nur mit einem Haltepfahl
gepflanzt, so ist dieser auf der Wind zugewandten Seite einzuschlagen, damit er
vom Baum 'weggeweht' wird.
Pflanzung
Die ausgehobene Pflanzgrube wird mit etwas loser Erde gefüllt. Der
Wühlmausschutz wird in das Loch gelegt und den Rändern der Grube angepasst.
Anschließend gelangt der Baum, bei dem vorher beschädigte Wurzeln leicht
zurückgeschnitten werden, so in das Pflanzloch, dass die Veredlungsstelle später
etwa eine Hand breit über der Geländeoberfläche steht. Es empfiehlt sich diese
Arbeit zu zweit auszuführen. Während eine Person das Loch mit Erde füllt, sollte
die andere Person den Baum in Position halten und ihn dabei vorsichtig rütteln.
Auf diese Art und Weise entstehen keine Hohlräume zwischen Wurzeln und Erde.
Wenn die Wurzel bedeckt ist, wird der Drahtkorb zugezogen, damit auch von oben
keine Mäuse zur Wurzel vordringen können. Abschließend wird noch eine dünne
Schicht Erde aufgefüllt und der Baum angegossen.
Wichtig: Keinen Hügel am Stammfuß bilden.
Veredlungsstelle
Die Veredlungsstelle darf nicht unter die Erde, sondern sollte ca. 10 cm
über der Erde liegen. Sie ist erkennbar als Verdickung nahe des Wurzelansatzes.
Anbindung
Nun kann die Anbindung erfolgen. Es ist darauf zu achten, dass der Stamm
dicker werden kann, ohne dass das Band einschnürt. Es dürfen daher keine Knoten
erfolgen.
Bei der Pflanzung mit 2 Pfählen werden zwei einzelne Schlaufen um den Stamm
gelegt und mit einer Krampe am Pfosten befestigt. Abschließend wird der
Verbissschutz am Stamm angebracht. Dazu legt man das Drahtstück um den Stamm und
biegt die Ränder zusammen, so dass eine etwa 20 cm durchmessende Röhre entsteht.
Diese wird oben an einer Stelle so zusammengedrückt, dass sie am Stamm anliegt.
Auf diese Art und Weise macht sie jede Bewegung des Baumes mit und es entstehen
keine Scheuerstellen.
Pflanzschnitt
Der erste Schnitt erfolgt unmittelbar nach der Pflanzung. Der Baum wird auf
1 Stammverlängerung (Mitteltrieb) und 3 - 4 Leitäste zurückgeschnitten. Die
Stammverlängerung ist der senkrechte Trieb. Die 3-4 Leitäste teilen den Raum um
die Mitte gleichmäßig auf. Sie werden soweit eingekürzt, dass die letzte Knospe
nach außen zeigt, alle drei auf einer Höhe sind und sie etwa eine Handbreit
unter der Spitze der Leitastverlängerung liegen. Der richtige Pflanzschnitt
stellt von Anfang an ein stabiles Gerüst des Baumes sicher.
Pflege von Bäumen
Baumscheibe/Düngung
Neben dem jährlichen Erziehungsschnitt sollte in den ersten Jahren die
Baumscheibe (Boden rund um den Stamm) möglichst vegetationsfrei gehalten
werden. Die noch nicht stark bewurzelten Bäume bekommen so mehr Nährstoffe und
müssen nicht mit anderen Pflanzen darum konkurrieren. Ideal ist in den ersten
Jahren eine jährliche Gabe von Kompost oder gut verottetem Stallmist. Düngung
mit Stickstoff zum falschen Zeitpunkt verhindert das Ausreifen des Holzes, macht
die Bäume anfällig und begünstigt Stippe bei Äpfeln.
Bodenpflege um den Hochstamm
Außerdem sollte darauf geachtet werden, dass im Stammbereich das Gras nicht
zu hoch wird. Zu hoher Aufwuchs verhindert das Abtrocknen des Stammes und
begünstigst Pilzinfektionen im Stammbereich.
Erziehungsschnitt
Alle neu gepflanzten Hochstämme (außer Walnuss) sind in den ersten 8 - 10
Standjahren jährlich fachgerecht zu schneiden. Die Schnittmaßnahmen, die hier
erfolgen, dienen dem Aufbau einer großen, robusten und gut belichteten
Krone, die den Baum in die Lage versetzt den Fruchtbehang zu tragen.
Dies bedeutet, das in der Erziehungsphase des Baumes der Obstertrag eine
untergeordnete Rolle spielt.
Die Hochstämme werden zu Bäumen erzogen, die ihr Grundgerüst aus einer
Mittelachse (Stammverlängerung) und 3-4 Leitästen bilden. Diese Leitäste stehen
in gleichmäßigen Abständen rund um die Mittelachse und gut im Raum verteilt.
Der Winkel der Leitäste zur Stammverlängerung sollte etwa 45° betragen. Ist die
Aststellung steiler, so wird die Krone sehr dicht und bricht später häufig am
Astansatz auseinander. Setzten die Leitäste hingegen zu flach an, so werden sie
stark im Wachstum gebremst.
Nicht alle Bäume wachsen genau so, wie sie in Büchern gezeichnet werden. Das
häufigste Problem sind zu steile oder zu flache Leitäste. Hier kann dadurch nachgeholfen werden, dass die Äste im entsprechenden Winkel mit Hilfe von Hölzer
abgespreizt, oder mit Bänder hochbindet. Beim Spreizen müssen die Hölzer so
stabil eingeklemmt werden, dass sie bis zum nächsten Jahr halten.
Werden Äste hochgebunden, so muss darauf geachtet werden, dass die Bänder nicht
einwachsen können.
Mit der Erziehung des Baumes wird bereits beim Pflanzschnitt begonnen. Dort wird
das Grundgerüst gelegt. Um Schritt für Schritt der endgültigen Krone näher zu
kommen, sind folgende Punkte unbedingt beim Schnitt zu beachten:
Der Erziehungsschnitt erfolgt in der Winterpause der Gehölze. Nur wenn vor dem
Blattaustrieb geschnitten wird, erhält man den gewünschten starken Neutrieb.
• Je stärker der Rückschnitt, desto stärker der Neutrieb. D.h. Bäume, die im
Vorjahr nur sehr wenig Zuwachs bekommen haben, werden stärker zurückgeschnitten.
Die Enden der 3-4 Leitäste werden auf eine nach außen stehende Knospe
zurückgeschnitten.
• Beim Zurückscheiden von Apfel und Birne wird etwa 5 mm, bei Pflaume und
Kirsche 10 mm oberhalb der Knospe zurückgeschnitten. Wenn Triebe entfernt
werden, werden diese am sog. Astring entfernt. Wird zu nah am Triebansatz
geschnitten kann die Wunde nicht richtig verheilen. Bleibt zuviel stehen,
trocknet der Rest ein. Wundverschlussmittel werden auch bei größeren Wunden
nicht verwendet. Wichtig ist es aber möglichst saubere und glatte Schnittflächen
zu schaffen.
Schnitt
Beim Schneiden der Bäume sollte eine bestimmte Reihenfolge eingehalten
werden, die die Arbeiten auch in einem unübersichtlichen Baum etwas erleichtern
kann.
• Bevor mit dem Schnitt begonnen wird, müssen Mittelachse und Leitäste gefunden
werden.
• Alle neuen Triebe, die steil oben auf unseren Leitästen stehen, wachsen in
Konkurrenz zur Mitte und werden daher entfernt.
Die Verlängerung jedes Leitastes (das ist der Trieb, der aus der nach außen
gerichteten, obersten Knospe des letzten Jahres gewachsen ist) wird auf etwa 1/3
des Jahreszuwachses eingekürzt. Jeweils auf eine Knospe, die nach außen zeigt.
Wichtig ist, dass alle Leitäste auf der gleichen Höhe angeschnitten werden. Dies
nennt man Saftwaage.
Die Mittelachse wird ebenfalls angeschnitten, bleibt aber etwas höher als die
Leitäste. Der Dachwinkel sollte etwa 120° betragen. Wird die Spitze zu weit
eingekürzt wachsen die Leitäste im nächsten Jahr senkrecht nach oben. Bleibt sie
zu lang, wachsen die Leitäste nicht richtig mit.
Auf den obersten 30 cm der Leitäste und des Mitteltriebes sollte keine
Seitenäste abgehen, da diese schnell zur Konkurrenz werden können.
Die Seitenäste der Leitäste stehen flacher bzw. waagerechter im Baum. Dadurch
können sie später besser Fruchtholz ansetzen. Es gilt auch für die Seitenäste,
dass der Neutrieb besser ist, wenn sie auf eine nach außen gerichtete Knospe
angeschnitten werden.
Fruchtholz
Äpfel, Birnen, Pflaumen, Kirschen blühen und tragen erst am zweijährigen
Holz. Die Bildung von Fruchtknospen wird dadurch begünstigt, dass einige
Seitenäste beim jährlichen Schnitt nicht angeschnitten werden. Wird jeder Ast
angeschnitten bildet sich kein Fruchtholz. Dies kann man gut bei älteren Bäumen
beobachten, wo Jahr für Jahr alle Astenden angeschnitten werden, und sich die
Besitzer darüber wundern, dass der Baum immer nur lange, senkrechte Triebe
(Wasserschosse) ausbildet, aber nie Früchte trägt.
Überwachungsschnitt
Nach etwa 10 Jahren ist die Erziehung der Obstbäume abgeschlossen. Nun muss
nicht mehr jährlich, sondern in Abständen von 3-5 Jahren geschnitten werden.
Bei diesen Schnitteingriffen wird nicht mehr der gesamte Kronenaufbau neu
geformt, sondern nur ausgelichtet. Ziel des Überwachungsschnittes ist das
harmonische Verhältnis von Früchten und der Neutrieb am Baum. Als Faustregel für den
Neutrieb gelten durchschnittlich 20 bis 30 cm. Liegt er unter 20 cm droht dem
Baum die frühzeitige Vergreisung. Eine kräftige Auslichtung ist erforderlich.
Erreicht die Neutriebbildung jedoch mehr als 50 cm bis 1,00 m, so sollte
zurückhaltender geschnitten werden bzw. die Schnittmaßnahmen in den Sommer
verlegt werden. Dies hat zur Folge, dass an den geschnittenen Stellen kaum
Neuaustrieb erfolgt.
Verjüngungsschnitt
Viele unserer alten Obstbäume sind über mehrere Jahrzehnte nicht mehr
geschnitten worden. Das Ergebnis sind dichte Kronen, die sehr unregelmäßig
tragen, viel abgetragenes Fruchtholz mit vielen kleinen, minderwertigen
Früchten. Dichte Kronen begünstigen Holz- und Blattkrankheiten. Ziel des
Verjüngungsschnittes ist daher die Belichtung und Belüftung aller Kronenteile
sowie der Neutriebbildung.
Größere Schnitteingriffe können über 2 Jahre verteilt werden oder/und in einer
Kombination von Winter- und Sommerschnitt erfolgen. Verjüngt werden solche Bäume
durch einen moderaten Rückschnitt, der alle Partien der Krone erfasst und im
oberen Kronenbereich beginnt.
Man versucht keine neue Erziehung, sondern orientiert sich an der vorhandenen
Krone. Wo Äste eingekürzt werden, versucht man sie auf kleinere Äste abzuleiten.
Beim einfachen Kappen würde der Baum mit einer Vielzahl von Wasserschossen
reagieren und eine langwierige Nacharbeit zur Folge haben. Die Äste werden
nicht angeschnitten.
Kirsch- und Pflaumen/Zwetschenbäume sind im Alter schnittempfindlicher.
Beim Auslichten älterer Bäume, verbunden mit großen Schnittwunden, eignet sich
zur besseren Wundheilung der Sommerschnitt. Die Gefahr von Rindenschäden am
verbleibenden Holz nach der Herausnahme größerer Äste ist deutlich geringer als
beim Winterschnitt.
Schnittkurse
Niemand kann den Obstbaumschnitt nur aus Büchern lernen. Jedes Jahr werden
zahlreiche Schnittkurse angeboten, bei denen anschaulich in Theorie und Praxis
die Grundlagen vermittelt werden. Infos zu den
Veranstaltungen.
Wer kann meinen Obst(Apfel)baum schneiden?
Gärtnerei Ulrich Balkenhol
Peckelsheim, Lange Torstr. 29 a
34439 Willebadessen
blumenhaus-balkenhol@t-online.de
Staudengärtnerei Bickmann
Bredenborn, Sommerseller Str. 16
37696 Marienmünster
stauden-bickmann@gmx.de
Pöhler Gut Reelsen
Garten- und Landschaftsbau Kremeyer
Detmolder Str. 5
33014 Bad Driburg
www.poehler-gut-reelsen.de
Staudengärtnerei
Stauden und mehr
Inh. Christian Schwarze
Kleinbreden 14
37696 Marienmünster
Rosen Meier - Hilmer
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