Kulturlandlogo
Kulturland Kreis Höxter
Regionalmarketing
http://www.kulturland.org

Was ist eine Streuobstwiese / Geschichte

Eine Streuobstwiese ist gekennzeichnet durch hochstämmige Obstbäume, die in einem geometrischen Verbund gepflanzt werden. In Nordrhein-Westfalen ist die Unternutzung in der Regel mit einer extensiven Grünlandnutzung (Beweidung  und/oder Mahd) verbunden.

Die Entstehung der 'kleinen Paradiese'

Streuobstwiesen mit ihren hochstämmigen Obstbäumen sind Kulturflächen, deren Entstehung und Nutzung dem menschlichen Wirken zu verdanken ist. Diese Tatsache prägt ihre Entwicklung und Bedeutung bis in die heutige Zeit.

Der Streuobstbau in der heutigen Form ist eine verhältnismäßig junge Erscheinung. Erst in den letzten zwei- bis dreihundert Jahren gewann er im Zusammenhang mit der Industrialisierung  seine landschaftsprägende Gestalt und ökonomische Bedeutung. Anfang des 20. Jahrhunderts existierten  großflächige Hochstammplantagen, z.B.  in der Plittersdorfer Aue bei Bonn mit 19.000 Obstbäumen.

Als landwirtschaftliche Haupt- oder Nebenkultur diente der Obstbau der Eigenversorgung, belieferte die örtlichen Märkte und die Industrie mit Obst und war damit eine wichtige Einnahmequelle. Zum Beispiel erzielte die Stadt Paderborn in den 1920er Jahren mit ihren Obstanlagen etwa 500.000 Mark an Einnahmen.

1949 verfügten noch 82 % aller landwirtschaftlichen Betriebe über Obstbäume. Mitte des 20. Jahrhunderts etablierte sich der Obstbau als eigener Betriebszweig und bevorzugte den Plantagenanbau auf Niederstämmen. In diesem Zeitraum entstand der Begriff Streuobstbau, um die bisherige Form des Anbaus von dem neuen Betriebszweig abzusetzen.

Als Folge der wirtschaftlichen Entwertung der Streuobstbestände in den 1950 bis 1970er Jahren  verschwanden zahlreiche hochstämmige Obstbäume und Streuobstwiesen aus unserer Landschaft. Während überall Rodungen erfolgten entstand in Löwen, Kreis Höxter, 1960 noch eine Obstwiese mit rund 800 Obstbäumen, mit der Zielsetzung die  Bevölkerung mit Obst zu versorgen.

Zwischen 1965 und 2005  reduzierte sich der Bestand in Nordrhein-Westfalen um 74% . Dennoch gehören die Kreise Höxter (-62 %) und Paderborn (-55 %) zu den obststärksten Kreisen  in NRW. Dies mag der Hoffnung Ausdruck geben, dass die 'kleinen Paradiese' noch lange Bestand haben und als solche wieder geschätzt werden.

Ein Blick in die Anfänge der Obstkultur bis zum 18. Jahrhundert

Noch bis zum 18. Jahrhundert ist festzustellen: Obstbau wurde bis dahin fast nur in Gebieten betrieben, die ihn aus den Zeiten der Besetzung durch die Römer kannten, im Südwesten am Rhein, im übrigen Deutschland nur in der nächsten Umgebung der Städte.

Die Klöster waren seit Beginn und während des gesamten Mittelalters Träger und Verbreiter des Garten- und Obstbaus in Europa. Sie beschäftigten sich bereits mit der Zucht und Sortenauswahl.

Durch die Verbindungen und Kontakte der Klöster untereinander, z.B. das französische Corbie und das höxtersche Corvey, fand hier der Austausch und die Verbreitung von obstbaulichem Wissen, Obstarten und -sorten statt, die Globalisierung der damaligen Zeit. So wird in einer Beilage des Amtsblattes der Königlichen Regierung zu Minden 1869 berichtet: "Die älteste Kultur im Kreise Höxter ging von der Abtei Corvey (...) aus, welche von Frankreich und Belgien her die edleren Obstsorten dorthin verpflanzte...."

Der mittelalterliche, ländliche Obstbau mit seinen 'Baumgärten' beschränkte sich auf die unmittelbare Umgebung der Siedlungen und begründete die ortseinrahmenden Obstgürtel. Die Selbstversorgung spielte eine wichtige Rolle.

Die vermehrte Anpflanzung von Obstbäumen als Hochstämme ist etwa seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Jedoch bedeutet der 30jährige Krieg (1618-1648)  für viele Obstbäume zunächst das Ende und eine Unterbrechung der Obstkultur.

Im 18. Jahrhundert ist der Obstbau als Teil der Gartenkultur der heimischen Schlösser und Burgen auch im Kreis Höxter zu finden, so z.B. um 1718 am Schloß Vinsebeck als 'Baumgarten mit Obstbäumen'.

Mit der systematischen, staatlichen  Förderung im ausgehenden 18. Jahrhundert entstanden Baumschulen, Ehestandsbaumgesetze. Allmenden wurden bepflanzt, der Straßenobstbau begann. Obst als Lebensmittel erhielt einen wichtigen Stellenwert, das zeigen die harten Strafen bei Obstdiebstahl und Baumfrevel.

Insgesamt nahm das Interesse und die Wichtigkeit des Obstbaus zu und mündete im 19. Jahrhundert in das Zeitalter der Pomologie und leitete damit die Blütezeit der Obstkultur in Deutschland ein.


Zahlen, Daten, Fakten

Der ländliche Kreis Höxter verfügt noch über ein großes Potential an Streuobstbeständen. Ca. 25 % der Bestände in Ostwestfalen-Lippe sind hier zu finden. In Nordrhein-Westfalen bieten nur die Kreise Rhein-Sieg und Paderborn eine höhere Anzahl an Streuobstbäumen.


Gemeindeobstwiesen

Eine Besonderheit des Kreises Höxter sind die noch vorhandenen großen Gemeindeobstwiesen, wie sie, z.B. noch in Bellersen, Bökendorf, Löwen, Körbecke oder Borgentreich vorhanden sind.
 

Förderprogramm für Streuobstwiesen

Kreis Höxter, Der Landrat, Untere Landschaftsbehörde 
Moltkestr. 12
37671 Höxter

Ansprechpartner:
Kreis Höxter
Peter Köhler
Telefon 05271 965-4213
Fax 05271 965-4999
p.koehler@kreis-hoexter

Kreis Höxter
Steffen Henter
Telefon 05271 9654212
Fax  05271 965-4999
s.henter@kreis-hoexter.de

oder
Kreis Höxter
Astrid Brinkmann
Telefon 05271 965-4211
Fax 05271 965-4999
a.brinkmann@kreis-hoexter.de


Regionalmarketing Kulturland Kreis Höxter · Der Landrat · Moltkestrasse 12 · 37671 Höxter
copyright 2006