Ingo Seidensticker

Chef des Hotels „Germanenhof“ in  Sandebeck

Dicke Bohnen mit Speck, deftige Linsensuppe, Schnitzel mit pappiger brauner Jägersoße oder gar „Blindes Huhn“, ein Eintopfgericht, das der Überlieferung nach so genannt wird, weil sogar ein blindes Huhn in dieser Suppe noch etwas Gutes finden kann: Die westfälische Küche hat mit so manchem Klischee zu kämpfen. Fett, süß und warm sind dabei noch liebevolle Umschreibungen.

Dass die regionale Küche inzwischen echte Feinschmecker-Qualitäten besitzt, beweist zwischen Weser, Teutoburger Wald und Warburger Börde eine Vielzahl an Spitzenköchen. Zu ihnen gehört Ingo Seidensticker. Der 38-jährige Chef des 3-Sterne-Superior-Ringhotels „Germanenhof“ ist in der kleinen Ortschaft Sandebeck an der Grenze zum lippischen Nachbarkreis aufgewachsen und hat durch die Familie ein echtes „Koch-Gen“ mitbekommen. Bereits in der Grundschule schrieb er einen Aufsatz über Schnitzel und setzte Zuhause die schulische Theorie in Praxis um. „Und das Schnitzel war wirklich gelungen“, sagt Ingo Seidensticker, der schon als Kind seinem Vater in der Küche über die Schulter geschaut hat.

Inzwischen ist der Junior-Chef quer durch die Welt gereist und hat so manches raffinierte Rezept mit in die heimische Region gebracht. Ob in Ascona am Lago Maggiore, im Nobel-Ort St. Moritz, auf Sylt, an Bord des Kreuzfahrtschiffes MS-Europa oder im edlen Privatclub im englischen Henley-on-Thames, Ingo Seidensticker wollte im „jugendlichen Alter“ etwas sehen, andere Länder bereisen, dort lernen, seine Kochkunst verfeinern, sich von „Multi-Kulti“ inspirieren lassen, aber immer mit dem festen Ziel vor Augen und ohne den geringsten Zweifel: „Ich werde später den elterlichen Betrieb übernehmen.“

Die Jahre als kulinarischer Weltenbummler haben den jungen Koch geprägt. Und doch ist Ingo Seidensticker bodenständig geblieben, er fühlt sich in der  Region, in der er lebt und arbeitet, tief verwurzelt. Auch wenn man etwas länger brauche, mit dem westfälischen Menschenschlag warm zu werden: „Es lohnt sich, die Leute kennen zu lernen, es sind ehrliche und herzliche Typen, die ein klares Wort mögen.“ Das Kochen diene dabei als ein wunderbarer Kommunikator, viele Stammgäste seien inzwischen gute Bekannte.

Wenn Ingo Seidensticker heute in alten westfälischen Kochbüchern stöbert und nach Rezepten sucht, befreit er die Gerichte in Praxis gern vom Schweren und Deftigen, wandelt sie ganz zeitgemäß nach heutigen Ernährungskonzepten um. „Die westfälische Küche lässt sich mit Kreativität und Raffinesse völlig neu und modern interpretieren“, ist der Chefkoch überzeugt. Vor allem auf  beste Produkte käme es an: Wild aus dem eigenen Wald, Fisch oder Lamm von heimischen Produzenten bereichert die facettenreiche Speisekarte. Die einzelnen Gerichte werden kombiniert mit frischen Kräutern aus dem hauseigenen Garten und saisonalen Gemüse. Auf der Speisekarte finden sich ganz selbstverständlich westfälische Kartoffelsuppe sowie Kalbsleber mit gebackener Blutwurst wieder. Familie Seidensticker bekundet ihre Heimatverbundenheit auch als Mitglied des Vereins „Westfälisch Genießen“ und als Partnerbetrieb „Kulturland Kreis Höxter“. Mit weiteren Gastronomen aus Westfalen tritt Ingo Seidensticker an, die kulinarische Tradition des Landstrichs weiterzupflegen, aber ebenso mit dem Mut, neue Wege zu gehen, um die westfälische Ess- und Trinkkultur aus dem Schattendasein zu befreien.

Was die Freizeit des vielbeschäftigten Hotelchefs angeht: Früher hat Ingo Seidensticker in heimischen Vereinen Tennis gespielt und mit den Freunden gekickt, heute muss das Rennrad für die schnellere, sportliche Fitness her. „Die Straßen sind ja zum Glück nicht so befahren.“ Und auch auf anderen kulturellen Pfaden wandelt er gern: „Der Käsemarkt in Nieheim oder die Museumsmeile Westfalen Culinarium machen doch Lust auf Mehr in der Region“. 

Hier finden Sie den Germanenhof:

Teutoburger-Wald-Strasse 29
32839 Steinheim-Sandebeck
Tel. 05238 9890-0

Die Lieblingsplätze von Ingo Seidensticker